Tag 17 bis zum Ende

Tja, so schnell kann es gehen. Im Flug vergehen drei Wochen, die Kilometer auf dem Hodometer summieren sich zu einer ansehnlichen Zahl und ein letzter Höhepunkt lässt auf sich warten. Dorthin arbeiten wir uns über Sussex, Edmunston, Trois-Rivières und Kingston vorwärts. Immer die durchaus nette Gegend im Blick und eine gehörige Portion Hoffnung auf gutes Wetter an den Fällen. Die Reise dahin war nicht immer so gut bestrahlt – und das meinen wir im wahrsten Sinne des Wortes. Sonne war jetzt nicht so oft zu sehen, wie man es aufgrund der Bilder vermuten könnte.

Der Campingplatz in Kingston, wo wir bereits auf der Hinfahrt mehrere Nächte waren, hielt einen ganz besonderen Leckerbissen (im übertragenen Sinne natürlich!) für uns bereit. Ein Kanadagans-Kita. Mehrere Erwachsenenpärchen mit insgesamt über 50 Jungen unterschiedlichen Alters. Da war der leichte Ärger über die nachts zuvor in Trois-Rivières erst nach eingehender Konsultation des Road Assists von „Fraserway“ funktionierende Heizung (alles nur wegen vom Vermieter nicht angeschlossenem Landstrom… Da musst du erstmal drauf kommen) doch gleich verflogen.

Sonnenuntergänge können sie – fast so gut wie Leuchttürme! Doch das sollte uns alles nicht davon abhalten, das finale Ziel anzusteuern: die Niagarafälle! Dort jedoch einen akzeptablen und dann auch noch bezahlbaren Campground zu finden, war eine Aufgabe, die nicht nur unsere Fähigkeiten, sondern auch die Vorstellungskraft insgesamt überstiegen hat. Nach stundenlangem Suchen, gaben wir auf, haben uns ein in Summe mit dem zusätzlich zu buchenden Parkplatz für unseren Camper (direkt vor der Haustür!) günstigeres Hotel gebucht und waren so mitten in der Stadt. Fußläufig zu jedweder Form von Attraktion. Also mal wieder alles richtig gemacht!

Jetzt hieß es aber „Sensation, Marsch!“ Die Fälle wollen besichtig, befahren, gefilmt und fotografiert werden. Wie die Geier auf das arme Aas rückten wir vor, bewaffnet mit allem, was Bilder produzieren kann – egal, ob bewegt oder nicht! Handy, insta360-Cam etc. Wir haben vermutlich so viele Bilder gemacht, das locker fünf Urlaube damit zu füllen wären, von der selben Attraktion. Aber Begeisterung äußert sich bei uns nunmal so.

Das genügte für den ersten Tag. Wir waren schließlich bis Samstag hier und hatten für Freitag das Rundumsorglospaket gebucht: Skylon Tower, Behind the Falls und natürlich die Bootsfahrt, sozusagen in die Fälle hinein! Dass man dabei bis auf die Knochen nass wird, war vorher klar. Doch zuerst gönnten wir uns ein gemütliches Abendessen. Direkt gegenüber von unserem Hotel war ein BBQ-Diner. Die hatte All u can eat-Buffet. Und das war sogar lecker und nicht nur viel! Der Tag war gerettet.

Tagsdrauf fuhren wir, sozusagen zum „Flanieren“, nach Niagara-on-the-Lake – das ist eine kanadische Stadt in Ontario an der Mündung des Niagara River in den Ontariosee. Will heißen: ein halbes Stündchen Autofahrt von unserem Hotel und du fühlst dich in einer Mischung aus Disneyland und englischem Seebad. Einfach nur nett – definitiv touristenzentriert und auch vom allgemeinen Fachkräftemangel leicht unter die Räder gekommen, aber sie tun ihr Bestes.

Niagara-on-the- Lake lädt definitiv zum Verweilen ein. Es ist kurzweilig, bietet allerlei Nippes, Gadgets, Kitsch as Kitsch can: sehens- und liebenswert. Aber nach drei Stunden ist auch wieder gut. Heute Abend gönnen wir uns mal ein Steak. Hatten wir dieses Jahr hier sehr selten. Dank Camper und teils Außentemperaturen, die gerade mal Würstchengrillen zuließen… „The KEG“ stand auf dem Plan. Und sie haben ihren Ruf nicht zestört… Klasse Fleisch, super Service, sogar die Lehrling hat es geschafft fontänenfrei eine alkoholfreie Guiness-Dose am Tisch ins Glas zu zirkeln. Kann sie stolz drauf sein! Ihr Ausbilder war es sichtlich.

Anschließend haben wir uns das Feuerwerk über den Fällen gegönnt. Täglich um 22 Uhr, immer ca. 8-10 Minuten lang und jedesmal wieder hübsch. Mit dem Berg- und Talbähnchen runter und anschließend wieder rauf. Perfekt. Und morgen gehts auf Big Tour.

Die Fälle bei Nacht,
ein ganze besonderer Anblick.
– auf jeden Fall sehenswert –

Freitag, Tag der großen Tour. Gegen 14 Uhr holt uns der Tourguide im Minibus ab, zusammen mit noch sechs weiteren unterhaltungswilligen Touristen geht es los. Zuerst der Skylon-Tower. Irgendwie war das dieses Jahr unorganisiert in dem
Tower. Vor zwei Jahren hatten die den Laden besser im Griff. aber die Aussichten natürlich irgendwo zwischen phänomenal und sensationell. Klar, bei einer Gesamthöhe von gut 160 Metern ist der Rundumblick beeindruckend.

Und weiter geht es in Richtung „Behind the Falls“. Das klingt im ersten Augenblick zugegebenermaßen etwas aufregender als es ist. Man ist zwar recht nah dran, aber durch das Gewusel von so vielen Menschen ist die Möglichkeit einer ruhigen Inaugenscheinnahme leider etwas getrübt, was aber den Gesamteindruck nicht schmälern soll.

„Behind the falls“ – ein nasses, durchaus beeindruckendes Erlebnis.
Hier noch alle in GELB – gleich bei der Bootsfahrt dann alle in ROT. Hauptsache Plastikfolienumhang, um nicht völlig zu durchnässen.

Aber jetzt gilt’s! Rein in den Tourbus und… plötzlich fährt der Guide aber nicht zu den Citycruises, sondern zum sogenannten Niagara Whirlpool, einem natürlich entstandenen Strudel an der Grenze zwischen der kanadischen Provinz Ontario und dem US-amerikanischen Bundesstaat New York. Offensichtlich waren wir für unsere gebuchte Bootstour zu früh dran, so dass der Guide die Zeit füllen musste und uns zu dieser Gondolaaussichtsplattform gebracht hat. Nett, aber im Vergleich zu den Fällen eher irgendwas zwischen Murg und Oos!

Voilà, die Gondola!

Doch jetzt, endlich, wir stoppen bei den City Cruises. Raus aus dem Bus, verkehrswidrig hektisch über die Straße und rein ins nasse Vergnügen. Drinnen sieht es eher aus wie ein Industriegebäude mit Renovierungsbedarf. Das Personal, das uns Touristen daran hindern soll, sich zu verirren und zu ertränken, ist freundlich, aber bestimmt. Sie weisen den Weg, stellen falsche Wege zu, für Dumme gemacht – für uns also! Endlich frische Luft, Sicht aufs Boot. Warten! Schließlich ist der zweite Ausflugsdampfer noch draußen und „unserer“ muss erstmal entladen werden, sprich: unsere Vorgänger werden gelöscht – so heißt das doch bei den Schauerleuten, oder?

Dann dürfen wir an Bord gehen. Sofort beginnt die heiße Schlacht am nassen Aussichtsbuffet. Insbesondere die eher zierlichen und damit harmlos wirkenden asiatischen Frauen zeigen da eine beeindruckende Kampfstärke. Was sie nicht durch Rempeln oder Schieben erreichen können, kompensieren sie durch geschicktes unter den Armen größerer Personen Hindurchschlängeln und hinterlassen tatsächlich überall, wo sie gerade eben noch waren, den Eindruck, dass ihnen diese exponierte Aussichtsstelle dienstgradmäßig zusteht. Doch davon lassen wir uns nicht entmutigen, halten tapfer die bezogenen Plätze und die Fahrt beginnt. Die Kamera in der Hand schippern wir los. Anfangs noch eher nebelig, steigert sich die Sache zum Nieselregen und endet schließlich irgendwo zwischen Monsun und der Geschichte mit Moses. Nix mehr sehen, die Kamera zwar wasserdicht, aber genauso wasserblind wie wir. So heftig war es vor zwei Jahren nicht – zumindest nicht in unserer Erinnerung!

Aber schön wars. Nass waren wir und zu guterletzt hat uns der Tourbus wieder an unserem Hotel abgesetzt und wir beschlossen den letzten Abend unseres Urlaubs abermals in dem wohl bekannten und nah gelegenen BBQ-Restaurant. Schöner letzter Tag. Morgen fahren wir zurück nach Cookstown zu Fraserway, um den Camper abzugeben und nehmen deren Shuttle zum Flughafen nach Toronto. Unser Flug geht gegen 20 Uhr, also viiiiel Zeit am Flughafen.

„unser“ BBQ-Restaurant

Abflug, letzter Blick zurück und in knapp sieben Stunden sind wir wieder in Frankfurt. Back home. Alles gut, kaum Verletzte, keine bleibenden Schäden, ein voller Erfolg.
Ein anderes Mal wieder irgendwo in dieser Welt. Danke fürs Mitreisen, farewell und bis die Tage!